Zu den wichtigsten Merkmalen des Neopositivismus oder der analytischen Philosophie, wie sie auch genannt wird, gehört die Ablehnung jeglicher metaphysischer Aussagen, denn über die durch sinnliche Erfahrung hinausgehende Wirklichkeit könne keine Aussagen gemacht werden: »Metaphysik ist Lyrik in der Verkleidung einer Theorie« (Schlick). Ferner müssen alle Aussagen verifizierbar sein (Verifikationsprinzip). Jegliche Wertungen der Philosophie sind abzulehnen, da sie wissenschaftlich nicht zu begründen sind, allein ein Ausfluss der Gefühle sein können.

Die Philosophie kann nur »Dienerin« der Wissenschaften sein. Ihre logische Analyse »dient der Ausmerzung bedeutungsloser Wörter, sinnloser Scheinsätze. In ihrem positiven Gebrauch dient sie zur Klärung der sinnvollen Begriffe und Sätze, zur logischen Grundlegung der Realwissenschaft«, formuliert Rudolf Carnap (1891-1970). Seine analytische Philosophie strahlt später nach Deutschland aus und wird hier die »Wissenschaftsphilosophie«.

Rudolf Carnap [L9]

Carnap versucht, ein »Konstitutionssystem« zu schaffen, das wissenschaftsgültig die Welt beschreibt. Er geht von elementaren Erlebnissen aus, die er »eigenpsychische Erfahrungen« nennt. Durch solche Erlebnisse werden Erinnerungen an andere wach, die zu einer Verbindung zwischen beiden führen können. Dabei stößt er auf Sprachschwierigkeiten, die in der Sprache gegeben sind. Die Sprachprobleme führen zu der sogenannten »linguistischen Wende« der analytischen Philosophie. Er versucht sie durch formale, künstliche Sprachen zu lösen, durch die er glaubt, wissenschaftliche Erkenntnisse darstellen zu können.