So lehrt im 13. Jahrhundert der Philosoph Albertus Magnus (1193-1280) an der Pariser Universität die Ansicht, dass gemäß Christentum die göttliche Offenbarung vieles enthält, was sich der Erkenntnis durch die Vernunft von vornherein entzieht. Sie sind das Feld der Theologie und des Glaubens. Demnach hat sich die Philosophie auf die »natürlichen Wahrheiten« zu beschränken, die das Seiende der Natur bilden.

Thomas von Aquin und Albertus Magnus [L9]

Fast zur gleichen Zeit ordnet Thomas von Aquin (1225?-1274), einer der größten Theologen und Philosophen der Katholischen Kirche, Glauben und Wissen, Theologie und Philosophie klar einander zu, und zwar in einem Herr-Knecht-Verhältnis. Erst von da an herrscht der Glaube als unerschütterliche Lehre, als Dogma, und die Philosophie wird zur »Magd der Theologie«. Er war der Überzeugung, dass Wissen entweder durch Glauben oder durch angeborene Vernunft gewonnen werden könne. Beide Arten von Wissen kämen von Gott und könnten sich daher nicht widersprechen; sie müssten deshalb übereinstimmen. Er kämpfte gegen die Ansicht einiger Philosophen, es gebe eine »doppelte Wahrheit«, die der Vernunft und die des Glaubens; dies konnte weder er noch das mittelalterliche Anspruchsdenken der alleinigen Autorität der Kirche akzeptieren. Er stellt die These auf, dass der Glaube (die Theologie) es mit übernatürlichen Wahrheiten der Offenbarung zutun habe, die übervernünftig, aber nicht widervernünftig sind. Vernunft und Glaube haben ihre Wurzel in Gott, behauptet er.

Thomas von Aquin wurde von Papst Johannes XXII. im Jahre 1323 heilig gesprochen. Papst Pius V. erklärte ihn 1567 zum Kirchvater. Papst Leo XIII. machte ihn zum Schutzpatron der katholischen Schulen.