Johann Gottlieb Fichte [L9]

Johann Gottlieb Fichte (1762-1814) sah es in dem »Ich«. »Die Gegenstände müssen sich nach unserer Erkenntnis richten« hatte Kant behauptet und damit die Möglichkeiten des erkennenden Ichs abgesteckt. Fichte will es nicht akzeptieren, dass durch das bloße Ideesein der Freiheit das Streben des Menschen nach dem Absoluten eingeschränkt wird und unterstreicht diesen Drang im Menschen, der neben seiner Überzeugung nichts Widersprüchliches duldet, mit der Gleichung »Ich bin Ich« aus. Zwischen dem Ich und dem Nicht-Ich kommt es in seiner Philosophie dann zu einer Synthese, was das Ideal des Bewusstsein des Volkes formt. Seine Ideen wurden von Deutschnationalen als ideologische Grundlage aufgegriffen.

Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling (1775-1854) stellte dem Ich = Ich etwas zuvor, was er das »Ewige in uns« nennt. Durch zahlreiche Naturexperimente, dem Lamarckismus und die Entdeckungen der Chemie beeinflußt sucht er das Absolute in der Natur. Er sieht sie als a priori und versteht darunter, dass alles in der Natur durch das Ganze vorausbestimmt ist. Der menschliche Geist ist Produkt der Natur mit dem Vermögen, über sie hinauszugehen. Natur ist Totalität, ist das gesamte Sein in Tätigkeit. Das Streben vom Neideren zum Höheren ist ein Faktum. Diese »kontinuierliche Naturtätigkeit …. vom Polypen zum Menschen …. und der Übergang von jenem zu diesem wäre unerklärlich, wenn nicht zwischen beide Zwischenglieder treten«. »Die Natur soll der sichtbare Geist sein, der Geist die unsichtbare Natur« ist die Formel der Identitätsphilosophie, die Schelling im »System des transzendentalen Idealismus« entwickelt (1800). In dieser Identität von Geist und Natur hat Schelling das von ihm gesuchte Absolute gefunden. Ab 1810 entwickelte er eine mythische Beschreibung vom Werden der Gottheit (Theogenie), welche aber für die weiteren philosophischen Frage der Zeit ohne Bedeutung ist.