Baruch de Spinoza [L9]

In diesem schwierigen Werk legt er den Weg offen, der mit Definitionen, 44 Lehrsätzen und deren Beweisen, Erläuterungen und Folgesätzen nicht leicht zu begehen ist. »Glückseligkeit ist nicht der Lohn der Tugend, sondern die Tugend selbst«, heißt es in ihr. Von Definitionen (wie »Es existiert nichts, aus dessen Natur nicht irgendeine Wirkung folgte«) und von Axiomen ausgehend werden durch Deduktion Schlüsse gezogen, die zu den Gesetzen des Seins und der Natur führen, aus der die Wesenheit des Existierenden gefolgert wird.

»Substanz ist das, was in sich ist und durch sich begriffen wird.« Sie ist wie Gott. Diese Gleichsetzung von Gott und Natur ist der äußerst mögliche Pantheismus (die Welt ist in Gott), der denkbar ist. Der Philosoph Schopenhauer sagt vom Pantheismus, er wäre die höflichste Art, Gott aus dem Verkehr zu ziehen und bezeichnet ihn als eine Form des Atheismus. Dieses könnte auch Spinoza gemeint haben, als er sagte, dass Gott bisweilen das Asyl der Ignoranten sei. Die Substanz Naturgott hat unendlich viele Attribute, von denen Geist und Körper nur zwei sind. Alle anderen Dinge, alle Ideen sind nur Modi (Arten) oder Ausdruck dieser einzigen Substanz.

Ist »die menschliche Ohnmacht im Mäßigen und Bezwingen der Affekte« da, so wird er unfrei, leidend. Tätig kann er allein durch den Verstand werden. Er verscheucht die Affekte, schafft klare Ideen und die Kraft, die er braucht, um zu erkennen und sich so auf den Weg zur Freiheit zu begeben. »Existieren ist vermögen können«, meint er.