Die Welt ist für Schopenhauer zur Hölle geworden, in der »die Menschen einerseits die gequälten Seelen und andererseits die Teufel« sind. Warum dies? Weil der Mensch mit seinem Intellekt, dem bloßen Willenswerkzeug, überall an unauflösliche Probleme, »an die Mauer unseres Kerkers« stößt.

Er meint, dass wenn nur existiere, was der Mensch sich vorstelle, wäre die Welt ein Objekt des Subjekts, das so »Träger der Welt« würde. Die Formen dieser Erkenntnis sind die drei Kategorien Raum, Zeit und Kausalität, wobei die letztere ausschlaggebend ist, weil sie die Erfahrungswelt mit der Vorstellung verknüpft und so die Verbindung aller Vorstellungen ermöglicht. Sie ist der Schlüssel zum Wesen der Welt. Jeder Mensch besitzt ein Werkzeug, den Willen, mit dem er das Verborgene, was sich hinter dem Wirklichen verstecken könnte, herausfinden kann, das »Ding an sich« also, das nach seiner Meinung Kant nicht erkannte. Der Wille ist nur er selbst, er ist ziel- und zwecklos, ohne Grund. In dieser Zwecklosigkeit, mit der er versucht, seine Sehnsucht zu befriedigen, liegt nach Schopenhauer der Grund des Missklangs in der Welt, der »schlechtesten aller Welten«, denn Dasein ist sinnlos, es gibt kein Ziel, keine Heimat für den Menschen. Leben ist Schmerz, Sorge und Unlust. Der Mensch strebt, kommt aber nirgends an, er drängt nur den Tod zurück, der dennoch unausweichlich am Ende steht. Das Nichts ist am Ende die einzige Offenbarung des Lebens. Nur wenn der Mensch den Willen und sein ewiges Streben verneint, findet er einen Hauch von Freiheit, der in der momentanen Versenkung in die Kunst besteht, in der man die Hölle der Realität vergessen kann. Hier ist ein interesseloses Schauen möglich, hier tut sich ein momentanes Reich der Freiheit auf. Im Grunde aber sind Welt und Mensch »etwas, das eigentlich nicht sein sollte. .... Man kann unser Leben auffassen als eine unnützerweise störende Episode in der seligen Ruhe des Nichts.«

Søren Aabye Kierkegaard [L9]

Für Kierkegaard (1813-55) ist »der entsetzlichste Sinn .... nicht so entsetzlich wie die Sinnlosigkeit«. Er drückt noch mehr die Verlorenheit des Menschen in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit schwermütige Gedanken aus, die diesbezüglich Schopenhauer übertreffen. Er meint, dass Existieren ohne Leidenschaft nicht möglich sei, abstrakt denken dagegen wohl. Was wirklich ist, ist einzig die »Existentia« oder dass etwas ist. In diesem Dass, dass nämlich überhaupt etwas ist, also existiert, liegt die ganze Wahrheit, denn wenn dieses »dass etwas ist« nicht wäre, wäre ja nur nichts. Was ist aber dieses Dass-etwas-existiert? Es ist die Möglichkeit, sagt Kierkegaard. »Jedes Wissen um Wirklichkeit ist Möglichkeit.« Ihm muss eine Entscheidung Entweder-Oder folgen, die eine Forderung der Ethik des einzelnen Menschen ist. Diese permanente Möglichkeit des Sprunges in ein Entweder-Oder ist der Grund der Angst des Menschen, die Existenz gerät in Krisen, Abgründe der Verzweiflung öffnen sich, weil der Mensch allein ist und ihm bis zum Tode niemand beisteht. Unter der Angst vor den Möglichkeiten gibt es für Kierkegaard drei Stufen des Daseinsprozesses: die ästhetische, die ethische, und die religiöse Sphäre[21]. Sein letzter Schluss über die Sinnlosigkeit ist, das nur wer schwiegt, was sage.