Daran schließt der Wiener Physiker Ernst Mach (1838-1916) an, der sein Denken an das Beschreiben und Wiederfinden von Tatsachen und deren Zusammenhänge knüpft. Aus diesen Ansätzen wollte der Wiener Kreis »einen metaphysikfreien Monismus … die Einheitswissenschaft des Physikalismus« schaffen. Der Philosophie wird nur noch der Platz eines Dienerin der Wissenschaften eingeräumt. Carnap versucht, ein »Konstitutionssystem« zu schaffen, das wissenschaftsgültig die Welt beschreibt. Er nennt seine analytische Philosophie lieber Erkenntnistheorie oder Wissenschaftslogik, weil das Wort der Philosophie schon so negativ vorbelastet ist. Hier sehen wir das erste mal, dass sich der Philosoph von dem Begriff Philosophie distanziert. Auch der Standpunkt der Philosophie zum Metaphysischen wird von einem parteiergreifenden zu einem indifferenten, indem sie keine Aussagen darüber machen kann, sie also weder als etwas sieht, an das man glauben muss, noch als gegenstandslose »bloße Idee«. Schließlich wird die Kritik der Vorgänger in der Philosophie eingestellt, da sie nicht zu begründen ist. Die Philosophie aber, die zuerst bei Aristoteles die führende Wissenschaft und im Mittelalter Werkzeug der Kirche wurde, war nun zur Dienerin der Wissenschaft geworden. Welch ein Wandel…

Die Forderung nach exakter Wissenschaft in der Philosophie, die im »Zeitalter der Wissenschaften« aus dem Nützlichkeits- und Verwertungspostulat jedes Tuns entspringt, führt bei Wittgenstein und später auch bei Paul Feyerabend in eine philosophische Sackgasse. Die völlige Ausklammerung des Seins und dem Sinn vom Sein des Menschen aus den Überlegungen wird die Wissenschaftphilosphie zwar immer nützlich und verwertbar erscheinen lassen, aber für den einzelnen Menschen, der Fragen an die Welt und sich stellt, ohne Bedeutung bleiben.

Auf die Beantwortung der Frage, was der Sinn des Seins wäre, ist Martin Heidegger (1889-1976) aus. Diese Frage habe Plato schon arg in Verlegenheit gebracht. »Sind wir heute in der Verlegenheit, den Ausdruck ›Sein‹ zu verstehen? Keineswegs… Und so gilt es denn, die Frage nach dem Sinn vom Sein erneut zu stellen.«

Martin Heidegger [L9]

Über die Erkenntnis der Phänomene, der Erforschung des Wesens der Erscheinung, über das So-Sein der Dinge hinaus, richtet Heidegger den Blick auf die Existenz, das Sein der Seienden. »Das Wesen des Seins liegt in seiner Existenz.« Als Grundverfassung des Daseins beschreibt Heidegger das »In-der-Welt-Sein«. Für ihn ist die Zeit nicht eine der Minuten und Sekunden, sondern eine »ursprüngliche Zeit«, die durch das Ende des Menschen erfahrbar ist. Für ihn ist »Technik … weltkonstituierend«. Dies gilt für die Technik aller Zeiten. Was ist der Unterschied zwischen alter und moderne Technik? Die moderne Technik [24] bringt gemäß Heidegger einen Wandel im Verhältnis des Menschen zur Natur. Sie beherrscht und durchdringt alles[25] - dies ist seine feste Überzeugung. Heidegger will nicht, dass der Mensch von der modernen Technik vereinnahmt wird und ein balanciertes Verhältnis zu ihr hat.